Stop ohne schlechtes Gewissen

Ein Beitrag über Selbstschutz für Pädagog:innen und Familien während der Corona-Pandemie

Bereits seit vielen Wochen werden Einrichtungen und Familien mit äußeren Faktoren konfrontiert, auf die sie keinen direkten Einfluss haben. Sie erzeugen Druck und sorgen für eine enorme Belastung. Dennoch versuchen ErzieherInnen, Lehrkräfte und Eltern jeden Tag für Kinder und Familienmitglieder da zu sein. Sie begleiten sie durch den Tag, erfüllen Wünsche und stillen Bedürfnisse, ganz unabhängig davon, wie es ihnen körperlich und psychisch geht und wie sehr die momentanen Einschränkungen, Veränderungen und Bestimmungen die Bewältigung des Alltags zusätzlich erschweren. Immer häufiger überschreiten sie dabei die eigene Belastungsgrenze und erleben Tage voller Unzufriedenheit und Selbstzweifel.

An solchen Tagen häufen sich Diskussionen und Machtkämpfe, weil es ihnen schwer fällt geduldig zu sein und verständnisvoll auf den bereits fünften Gefühlsausbruch des Kindes zu reagieren. An solchen Tagen fallen Worte, die verletzen. Es entstehen Konflikte, die die Beziehung noch viele Tage und Wochen nach der Auseinandersetzung belasten können. An solchen Tagen meldet sich der eigene Körper und sendet ganz deutliche Warnzeichen.

 

Wenn wir nun dran denken, was den Kitas, Schulen und Familien in den kommenden Wochen bevorsteht, ist es völlig verständlich, dass sich viele die folgende Frage stellen:

„Wie um Himmels Willen sollen wir das bloß schaffen?“

Als Erzieherin lege ich großen Wert darauf, dass Kinder lernen mir mitzuteilen, wenn sie sich unwohl fühlen, wenn sie eine Aufgabe überfordert und wie sie es schaffen können, sich Hilfe zu holen. Mir ist es wichtig, Kinder darin zu bestärken, „STOP!“ zu sagen, wenn sie eine Gefahr für sich und ihren Körper sehen. Und ich möchte auch dir Mut machen, „STOP!“ zu sagen. Frage dich nicht, WIE du es schaffst, alles unter einen Hut zu bringen, sondern WAS du aktuell schaffen kannst und was nicht:

 

Was muss heute wirklich sein?

Überlege dir, was du an diesem Tag zwingend erledigen musst und was warten kann. Sortiere aus!

 

Wo muss ich heute wirklich hin?

Überprüfe, welcher Termin dich unter Druck setzt, welcher stattfinden muss und welcher sich vielleicht verschieben oder gar absagen lässt.

 

Was tut mir, meiner Gruppe, meiner Familie heute gut?

Frage dich, was du dir Gutes tun kannst, um leichter durch den Tag zu kommen.

 

Welche Informationen mute ich mir zu?

Wähle ganz bewusst aus, welche Inhalte du hören, lesen und in deinen Kopf hineinlassen willst und welche du ganz bewusst blockieren kannst.

 

Was kann ich abgeben?

Sortiere deine Aufgaben. Welche willst/musst du selbst erledigen? Welche lassen sich an Helfer abgeben? 

 

Wer kann mir helfen?

Bitte um Unterstützung. Hole dir Hilfe. Hast du das Gefühl, es selbst nicht zu schaffen, für Entlastung zu sorgen, lass dich frühzeitig professionell begleiten.

Sicher kannst du an der momentanen Lage wenig ändern, vieles liegt nicht in deiner Macht. Doch du kannst versuchen die kommende Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten und dich ganz bewusst dazu entschließen rechtzeitig „STOP!“ zu sagen und somit dich, deine Gruppe und deine Familie zu schützen und das ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Bleib gesund! Deine Anastasia

Dieser Beitrag wurde auch auf www.derkinderarztblog.com veröffentlicht.